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Das Google Glass Experiment

Die M3 Campixx war noch nicht gestartet, da habe ich meine Google Glass aufgesetzt und bin den gesamten Samstag mit diesen über das Konferenzgelände, dem Hotel am Müggelsee gelaufen. Inmitten von über 200 Personen auf den Bereichen Online Marketing, Offline Marketing und sonstige Interessierte. Doch wie kam ich zu meiner Google Glass und warum nenne ich es Experiment?

Die Vorbereitung

Google Glass Jens Altmann

Google Glass

Ich hatte im Blog von Hannes Schleeh von einer Idee gelesen, die mich direkt überzeugt hat. Er hat sich mit Hilfe eines 3D Druckers ein Modell einer Google Glass Brille erstellen lassen und diese entsprechend präpariert, damit es für die meisten wie ein Original aussieht. Wie er es genau gemacht hat kann man in seinem Herstellungsartikel nachlesen.
Dieses Modell hat er im Rahmen der re:publica getragen und die Reaktionen der Umgebung aufgenommen.
Genau dieses Prinzip habe ich auf die M3 Campixx übertragen wollen, weil es ein ausgezeichneter Cliffhanger für meinen Workshop „Anonym oder Personalisiert – Fussspuren im Internet“ darstellte. Ich plante den Workshop von Beginn als eine Diskussion für die ich eine polarisierende Grundlage schaffen wollte. Ich habe Hannes gefragt ob er mir sein Modell im Rahmen der M3 Campixx zur Verfügung stellen würde und er tat dies auch.

Das Experiment

Wieso bezeichne ich das Tragen der Fake Google Glass als Experiment? Zum einen wollte ich Stimmen einfangen, die ich in meinem Workshop verarbeiten und als Diskussionsgrundlage anbieten konnte. Zum anderen wollte ich anderen die Möglichkeit geben direkt auf mich zuzugeben. Die M3 Campixx stellte einen Bruch zu den sonstigen Konferenzen dar, weil sich viele unterschiedliche Branchen vermischten und dies meist eine sehr zähe Angelegenheit ist. Die Bestätigung dieses Verhaltens, dass der bekannte Spirit fehlte, kann man auch in einigen Recaps nachlesen.
Ich für meinen Teil kann dies nicht bestätigen. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag wurde ich bezüglich der Google Glass proaktiv angesprochen.
Viel wichtiger waren jedoch für mich die sonstigen Reaktionen. Wie informiert sind die Personen, die sich in einem technischen Umfeld bewegen und wie reagieren sie unbewusst bzw. indirekt auf jemanden der ein „Überwachungsgerät“ so offensichtlich mit sich rumführt.

Google Glass im Workshop "Anonym oder Personalisiert"

Google Glass im Workshop „Anonym oder Personalisiert“

Das Wieso

Man könnte sagen weil es geht, das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Mit dem Experiment wollte ich sehr gezielt Emotionen beobachten. Gerade im Bereich Marketing ist es so, dass man fast ausschließlich in einer Einbahnstraße denkt. So denkt der Shopbetreiber, nur weil er ein Design toll findet, ist seine Zielgruppe der selben Meinung. Ähnliches sieht man wenn ein KMU Werbung kreiert. Sie denken jeder findet Anzeigen identisch ansprechend. Aus diesem Grund habe ich für mich gelernt, dass ich Menschen beobachten muss, ob Sie auf Anzeigen oder Aktionen ähnlich reagieren wie ich, oder ob ich mein Denkmuster anpassen muss. In dem Zusammenhang empfehle ich auch die M3 Ausgabe der Guerrilla Show. In dieser wird auch die Fakebrille erwähnt, jedoch mit der Vermutung, dass diese bei mir Barrikaden abbauen soll.

Der Verlauf

Ich trug die Google Glass Brille den gesamten ersten Tag der M3 Campixx. Sobald mich jemand darauf ansprach offenbarte ich, genauso wie Hannes, direkt, dass es sich um ein Imitat handelt. Ich kann in dem Punkt seine Beobachtung bestätigen, dass fast alle enttäuscht waren, aber dann trotzdem das Gespräch weitergeführt haben. Es haben mich jedoch sehr viel weniger angesprochen als erwartet. Nach der Einführung hatte ich dies bereits erwartet. Viele sind Aktiv der Brille ausgewichen und haben sich erst nach der „Gefahr“ umgedreht und geredet. Somit hat die Brille schon zu Gesprächen geführt, aber dies geschah eher mit anderen. Das war eine sehr interessante Erkenntnis, es bestand durchaus Kommunikationsbedarf, aber der fand dann mit „Halbwissen“ (welch ein doofes Wort, es lässt vermuten, dass ich jemanden als Dumm bezeichne, was ich nicht mache!) statt.

Google Glass Diskussion

Google Glass Diskussion

Wieso Halbwissen? In meinen Gesprächen fand ich heraus, dass die wenigsten genaueres über die Funktionsweise wissen. So war eigentlich niemanden bekannt, dass die Brille mit dem Android Handy verbunden ist. Ich konnte für mich feststellen, dass die „Angst“ vor der Brille hauptsächlich wegen der Kamera existiert, weil dies eine stetige Überwachungsmöglichkeit bietet. Dies wurde auch intensiv in meinem Workshop diskutiert.
Wer mehr über die Funktionsweise der Brille erfahren möchte, sollte sich unbedingt ein paar Youtube Videos zu dem Thema ansehen.

Das Fazit

Ich kann für mich ein ähnliches Fazit ziehen, wie wir es als Ergebnis im Workshop ausgearbeitet haben. Durch Informationsweitergabe und Transparenz kann man die Angst sicherlich reduzieren (So soll Google Glass z.B. niemals eine Gesichtserkennungsfunktion besitzen – dies wird explizit von Google verboten). Wenn man es dann noch schafft die Gesellschaft zu einem Umdenken zu bewegen, indem an den Schulen ausgiebig Medienkompetenz gelehrt wird und die Gesellschaft toleranter zu sein, dann stellt eine Brille mit Kamera eigentlich auch für niemanden eine Gefahr dar und ist eine Bereicherung – auch an dieser Stelle empfehle ich nochmal die Ausgabe der Guerrilla Show.

Die Bilder stammen von Gerald Steffens. Vielen Dank für diese tollen Momentaufnahmen!

Ich wart also alle irgendwie Teil des Experiments und ich hoffe, meine Erkenntnisse und Sichtweisen ergänzen eure Erfahrungen und Eindrücke die ihr auf der M3 Campixx mitgenommen habt: Denkt weiter als bis zum Tellerrand und überlegt euch wie ihr Emotionen erzeugen könnt. Ich freue mich auf spannende Diskussionen in den Kommentaren auf Fragen wie ihr die Situationen empfanded.

Jens Altmann

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Jens Altmann bloggt auf gefruckelt.de regelmäßig über alle Themen, die ihn interessieren. Neben seiner Tätigkeit als Softwarearchitekt studiert er Wirtschaftsinformatik an der Uni Potsdam.

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Kommentare

9 Kommentare

  1. olaf kopp Juni 18, 2013

    jetzt ist alles klar…. allerdings musst du für ein Gespräch in Form eines Dialogs auch dementsprechend reagieren. Daür fand ich deine Reaktion auf meine Frage nach der Echtheit relativ unterkühlt fast schon arrogant… nur meine Meinung.

  2. Jens Altmann Juni 18, 2013

    @Olaf es tut mir leid wenn es so rübergekommen ist, ich weiß nicht zu welchem Zeitpunkt wir uns gesehen hatten, ich vermute, dass ich gerade auf dem Weg zu einer Session war, die ich mir unbedingt anhören wollte.
    In dem Punkt habe ich auch ein Learning gehabt, vermutlich habe ich zu wenigen die Möglichkeit gegeben mit mir zu kommunizieren, weil ich oft schon in Gesprächen oder eben zur nächsten Session unterwegs war.

  3. Hannes Schleeh Juni 18, 2013

    Schöne Fortführung des Google Glass Experimentes. Gestern hat eine Google Mitarbeiterin ihre Erlebnisse mit der echten Google Glass in einem Video verarbeitet. http://youtu.be/xgkRhYgVA5s
    Ich werde, so die Post die Brille rechtzeitig und unbeschädigt wieder anliefert ab Morgen auf den Medientagen in Nürnberg damit weiter experimentieren.

    @Olaf allein die Brille auf der Nase erzeugt bei vielen Menschen schon den Eindruck, der Träger sei arrogant. Mein Lieblingsspruch ist da: “ Der Teufel sitzt im Ohr und nicht auf der Zunge“ Wir leben alle in unserer eigenen kleinen Realität oder Filter Bubble. ;-)

  4. Jens Altmann Juni 18, 2013

    Danke für deinen Kommentar Hannes. Darüber dass die Brilel so befremdlich wirkt, dass man einen Menschen anders einschätzt habe ich noch gar nicht nachgedacht, wobei ich finde dass die Bilder mit der Brilel von mir auch wirklich anders aussehn und einen anderen Eindruck vermitteln als Bilder ohne Brille.

    Ich bin gespannt auf deine weiteren Erfahrungen und ob sich die Google Glass wirklich irgendwann in der Öffentlichkeit durchsetzen kann bzw Akzeptanz findet.

  5. Thomas Wagner Juni 18, 2013

    Mich konnte das Experiment ja nicht als Unbeteiligter erwischen, aber ich hatte das Glück, dass ich einer der Leute war, die in das ein oder andere Gespräch verwickelt wurden, nachdem Leute dem Jens ausgewichen waren.

    Auch hier war eindeutig das Thema der permanenten Videoüberwachung und des heimliche/ unerkannte Filmen in privater oder öffentlicher Umgebung das Thema.

    Da ich ja auch das Ziel von Jens Vortrag kannte, habe ich auch alle fleissig zu ihm geschickt. Ich hoffe das hat funktioniert.

  6. olaf kopp Juni 18, 2013

    das kann natürlich ein Grund sein… als ich deinen Beitrag gelesen fand ich das irgendwie widersprüchlich zu dem wie du dich in diesem einen Moment verhalten hast, also von wegen Gespräche forcieren und so. All Good!

  7. Frank Juni 18, 2013

    Mein Problem mit der Brille ist die Möglichkeit fotografiert und gefilmt zu werden, ohne genau zu wissen, dass dies gerade geschieht. Wenn Gerald seinen Apparat auf mich richtet, weiß ich Bescheid. Und weiß auch, dass Gerald mit den Fotos sorgsam umgeht. Aber wenn Glass um sich greift?

  8. Jens Altmann Juni 18, 2013

    Danke für deinen Kommentar Frank. Das Problem hatten die meisten. Die Gefahr gefilmt zu werden. Aber die hat man eigentlich immer, nur dass man sie bei jemandem mit einer Glass bewusst wahrnimmt. In Japan gibt es zum Beispiel ein Gesetz, dass Kameras verpflichtet Töne beim Foto zu machen (auch bei Handys). Ähnliches gibt es bei laufenden Videoaufnahmen die durch ein leuchten ohne ähnliches angezeigt werden müssen.
    Es sind Probleme, die aktuell schon existieren, jedoch nicht in einer Diskussion erwähnt werden, weil man sie nicht aktiv wahrnimmt. Durch Google Glass könnte man die Chance haben, dieses Thema zu diskutieren, zu definieren und dann für jeden so umzusetzen dass er glücklich ist.
    P.S.: finde ich dass Überwachungskameras weder Sicherheit oder Mehrwert bringen

  9. SEOCouch - Heiko Juni 18, 2013

    Mir haben im Laufe des Samstags 2-3 Leute, nachdem Du an Ihnen vorbeigegangen bist, die Frage gestellt ob mir bekannt ist, ob Brille echt sei. Da ich es selbst bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, musst ich verneinen. Wodurch die Fragenden dann noch verwirrter waren ;o)

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