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Zwischen Job und Freiheit

Für viele ist die Selbstständigkeit der Inbegriff von persönlicher Freiheit. Das damit auch viele Risiken und Probleme verbunden sind, das erkennen nur die wenigsten im Vorfeld. Bedeutet der Abschied vom Angestelltenverhältnis wirklich, dass man frei ist? Welche Gründe gibt es um in die Selbstständigkeit zu wechseln, welche sprechend dagegen und welche Erfahrungen haben anderen mit diesem Schritt gemacht?

Auf diese Fragen findet man in dem Buch „Vom Job in die Freiheit“ von Markus Kellermann, das als Kindle E-Book und als Taschenbuch bei Amazon verfügbar sind, Antworten. Markus beschreibt darin seine persönliche Entwicklung im Arbeitsumfeld. Konkret wie er von der Ausbildung über seine Position bei Explido zur Selbstständigkeit gekommen ist. Er greift dabei auf seine Erlebnisse zurück und gibt hilfreiche Tipps und Tricks aus seiner Erfahrung, die einem Wechselwilligen helfen können. Damit nicht nur seine Meinung und Erlebnisse im Buch wiedergegeben werden hat er eine Reihe von namhaften Person aus dem Komplex Online Marketing gebeten auch ihre Entwicklung etwas zu schildern und darzustellen. So kam es, dass Markus auch mich gefragt hat ob ich nicht meinen Teil zu dem Buch beitragen möchte. Leider habe ich es nicht rechtzeitig zum Abgabetermin geschafft meinen Teil, entsprechend meiner Qualitätsansprüche, fertigzustellen.
Nach längerem Überlegen habe ich mir jedoch gedacht, dass es schade wären, wenn meine Gedanken, die ich schon in Worte gefasst habe, nicht publiziert werden. Aus diesem Grund werde ich hier meine Meinung zur Selbstständigkeit und Freiheit veröffentlichen. Ich glaube die ist auch ein ausgezeichneter Teaser für das Buch „Vom Job in die Freiheit“ von Markus. Jeder der sich weiterführend mit diesem Thema beschäftigen möchte und auf die Erfahrungen anderer zurückgreifen möchte sollte sich diesen Buch kaufen und ganz genau lesen.

Die Selbstständigkeit

Ich befinde mich aktuell in einer Hybridform oder besser einer Vorstufe der beschrieben „Freiheit“. Neben meinem Vollzeitjob als Software Engineer bei der complex ecnonomy GmbH bin ich selbstständig, betreue also meine eigenen Kunden und Projekte. Diese Form erlaubt es mir, dass ich Kunden aus meiner eigenen Unternehmung in die Complex Economy GmbH übertragen kann sobald das Auftragsvolumen eine Größe erreicht, die ich alleine nur schwer abdecken kann. Dadurch kann ich zeitkritische Projekte besser planen und es existiert ein Backup.
In genau diesem Punkt existiert für mich das größte Problem an der Selbstständigkeit. Man ist mit dem Eintritt in die Freiheit für seine soziale Absicherung selbst verantwortlich. Neben den Pflichtbeiträgen für die Krankenkasse, die man monatlich erwirtschaften muss, muss man selbst einschätzen inwieweit man dem sozialen System weiter partizipiert. Gerade in den Anfangsjahren zahlt man normalerweise nicht in die Rentenkasse oder Arbeitslosenkasse ein, weil oftmals das Geld nicht vorhanden oder dieses einem zu schade ist. Das bedeutet aber im Umkehrschluß, dass man bei einer längeren Krankheit als Einzelunternehmung keinen Rückhalt hat mit dem man die Kundenbindung aufrecht erhalten kann. Je nach Dauer einer solchen „Auszeit“ kann dies verheerende Folgen nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall, dass man in die Insolvenz gehen muss. Dieses Risiko ist zu meinen Verpflichtungen die größte Hürde um den finalen Schritt zu gehen.
Die Frage die man sich stellen muss inwieweit man das Risiko auf sich nehmen möchte, wenn man vorher ein relativ sicheres und bequemes Leben hat. Markus beschreibt dieses Leben als Hamsterrad und er hat damit vollkommen Recht. Der Alltag ist bei den meisten Arbeitern sehr übersichtlich und sehr monoton. Ich kann für mich jedoch sagen, dass ich es nicht so erlebe. Es gibt natürlich eine Menge an Stammkunden durch die man an den gleichen Projekten arbeitet, durch meine Selbstständigkeit und der Projektvarianz bei den Kunden lerne ich viele Entwicklungsfelder kennen, die jedes Mal neue Herausforderungen darstellen und gelöst werden wollen. In meinem Beruf habe ich zusätzlich den Vorteil, dass ich nur bedingt an Geschäfts und daraus resultierend Arbeitszeiten gebunden bin. Zu welchem Zeitpunkt des Tages ich meine 8 Stunden abarbeite ist zum Glück variabel, wodurch ich in einem sehr abwechslungsreichen Hamsterrädchen laufe, das eine Menge Kurven und Abkürzungen für mich zur Verfügung stellt.
Für viele ist dies in einem Job undenkbar, für mich aber zum Glück Realität. Der von mir gelebte Kompromiss zwischen Selbstständigkeit und Angestelltenverhältnis ist eine gute Alternativ zur vollständigen Freiheit. Ich hätte natürlich einige Freiheiten mehr wenn ich zu hundert Prozent Selbstständig wäre, jedoch sind die Risiken in Verbindung mit meinen monatlichen Verpflichtungen noch zu groß.

Zusammenfassung

Dieser kleine Ausschnitt meines Textes soll veranschaulichen, dass die Medaille immer zwei Seiten hat. Es erfordert eine Menge Mut ein Arbeitsverhältnis für die Selbstständigkeit aufzugeben und danach auch eine Menge Disziplin. Oftmals wird man am Anfang viel Zeit mit Kundenakquise verbringen und sehr wahrscheinlich länger und mehr arbeiten als zuvor. Wenn man zusätzlich noch sein Büro im Home Office eingerichtet hat wird man auch lernen müssen, dass man seine Familie erziehen muss. Für die meisten Partner ist es schwer differenzierbar, dass das arbeiten zu Hause nicht gleichzusetzen ist mit „er/sie ist zu Hause“. Denn auch wenn, oder sogar vor allen, man zu Hause arbeitet benötigt man seine Ruhe. Unterbrechungen kosten Konzentration und bares Geld. So kann aus der Freiheit auch schnell ein neues Gefängnis werden. Dieser Problematik/Gefahr sollte sich jeder bewusst sein. Eine solche Entscheidung sollte niemals überstürzt getroffen werden und bedarf einer Menge Vorbereitung. Ich drücke jedem die Daumen der die Selbstständigkeit plant und würde mich freuen auch etwas von euren Erfahrungen und Erlebnissen in den Kommentaren lesen zu können.

Jens Altmann

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Jens Altmann bloggt auf gefruckelt.de regelmäßig über alle Themen, die ihn interessieren. Neben seiner Tätigkeit als Softwarearchitekt studiert er Wirtschaftsinformatik an der Uni Potsdam.

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Kommentare

2 Kommentare

  1. Frank März 30, 2013

    Ich bin jetzt im siebten Jahr Vollzeit-Selbständigkeit (vorher fünf Jahre Halbtagsstelle und Teilzeit-Selbständigkeit parallel). Ja, es ist nicht immer leicht, aber ich kann mir kaum noch etwas anderes vorstellen.

  2. Asokan von linkbird April 9, 2013

    Die Selbständigkeit hat natürlich seinen Reiz, das würde niemand bestreiten, der sich nicht einmal über seine monotone Tätigkeit oder seine nervigen Kollegen oder seinen anstrengenden Chef geärgert hat. Da ist das Versprechen der Freiheit natürlich so verlockend wie potentiell riskant. Danke für das Aufzeigen von Aspekten, die mir spontan bei dem Thema Selbständigkeit gar nicht erst eingefallen wären (Home Office ist mit einer anspruchsvollen Familie eben nicht immer wirklich ein Büro daheim und es gehört Disziplin dazu, seine acht Arbeitsstunden pro Tag durchzuziehen, wenn man sie sich selbst einteilen kann). Das Buch kommt auf meine must-read-Liste! ;)

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