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Konferenzen und ihre Probleme

Eigentlich wäre man von mir gewohnt, dass ich einen Recap über die OMCap verfasse. Es gibt jedoch ausreichend viele andere die die wichtigsten Punkte der Konferenz in ihren Blogs niederschreiben. Ich möchte jedoch die Zeit nutzen um ein paar allgemeine positive, sowie negative Punkte von Konferenzen aufzuführen, die mir verstärkt in diesem Jahr aufgefallen sind.

Konferenzen

Wenn man den Blick auf einen Jahreskalender wagt, dann findet man selbst in einer Nische wie der Suchmaschinenoptimierung oder den größer gefassten Bereich Online Marketing in fast jedem Monat ein Event, in denen sich Menschen zusammenfinden. Egal ob es sich dabei um größere Barcamps, Unkonferenzen oder professionell ausgerichtete Konferenzen handelt, der Ansturm ist jedes Mal riesig. Um nur ein paar Branchenspezifische Events zu nennen: Affiliate Tactixx, OM Rockstars, SEO Day, OMCap, Seokomm, Conversion Camp, SEO Campixx, SEMSEO, Conversion Summit, SEOCruise etc. Und dabei fehlen noch internationale Konferenzen wie die SMX, SES oder Pubcon und Brachenübergreifenden Events wie die Re:publica, M3 Campixx oder Messen wie die dmexco, cebit, ifa, gamescom etc.
Wenn man sich die paar Veranstaltungen ansieht und sich verdeutlicht in welcher Masse sie vorkommen, keinen einem schon mulmig werden. Man beginnt sogar sich die Frage zu stellen, ob es wirklich möglich ist – auch wenn es sich um die schnelllebige Branche rund um das Internet handelt – mit jeder Veranstaltung den Wert zu vermitteln, den die Veranstalter als Preis ausloben. An dieser Stelle möchte ich die Preise nicht kritisieren, die finde ich meistens sogar fair. Ich möchte nur, dass man sich einmal die Zahl vor Augen hält. Wenn man die Eintrittspreise aller aufgezählten Veranstaltungen aufsummiert, kommt ein stolzes 5-stelliges Sümmchen heraus.

Konferenzen und ihre Vorteile

Jede Konferenz hat ihr Schwerpunktthema und damit auch ihre Daseinsberechtigung. Gerade für Einsteiger bieten diese Veranstaltungen einen ausgezeichneten Einstieg sich erstmals mit bestimmten Themengebieten auseinander zu setzen oder Wissen aufzunehmen. Leider verpassen gerade diese Einsteiger bei ihren ersten Konferenzen die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen. Mir ging es so und ich denke jeden anderen da draußen auch der auf seiner ersten Konferenz eher schüchtern und still in einer Ecke stand und seine Getränke schlürfte. Es ist auch verständlich, denn oftmals gibt eine eine Schnittmenge der Teilnehmer, die sich auch auf anderen Konferenzen bereits getroffen haben, mal miteinander gearbeitet haben etc. Diese gehen von Beginn an sehr vertraut mit einander um, so dass es anfangs schwer ist, dort den Anschluss zu finden. Die Veranstalter sind sich dieser Problematik durchaus bewusst, dass zeigt zum Beispiel der Quasi Standard der Namensbadges. So kann jeder den Gegenüber mit einem Namen ansprechen und über die Firma gegebenenfalls zuordnen. Positiv sind an dieser Stelle auch die Speed Networkings zu nennen und hervorheben kann man die Idee des „Meet the Speakers“ – Prinzip auf der OMCap. Dies bietet einen ausgezeichnete Möglichkeit Fragen zu stellen, die man sonst nicht vor dem gesamten Publikum stellt, ei es weil sie zu spezifisch ist oder weil man nicht vor der Masse reden möchte.
Andre definiert in seinem Artikel über Konferenzpositionierung 3 Aspekte eine Konferenz und in welchem Umfang die bei bestimmten Konferenzen ausgeprägt sind. Neben der Community, die ich bisher als größten Vorteil herausgestellt habe, nennt er noch die Felder „Inspiration“ und „Weiterbildung“.
Das zweite Feld, die Inspiration, ist der zweite große Vorteil den ich auf Konferenzen immer wieder entdecke. Jedoch ist dieser stark abhängig von der Art der Veranstaltung und den Teilnehmern. Je weiter das Konferenzthema von seinem eigentlichen Umfeld entfernt ist, umso mehr Möglichkeiten erhält man Impulse zu bekommen und neue Menschen kennen zu lernen. Bei der OMCap war zum Beispiel mein absolutes Highlight der Vortrag von Robert Seeger. Dieser hat es geschafft neue Impulse auf unterschiedlichen Ebenen bei mir zu setzen.
Das Thema Weiterbildung / Wissenstransfer ist dagegen einer meiner größten Kritikpunkte.

Kritik an Konferenzen

Mein Hauptkritikpunkt bei Konferenzen bezieht sich auf die Inhalte und zwangsläufig auch auf die Teilnehmer. Das Problem ist, dass Konferenzen in einer Dimension geplant werden, bei der eine große Menge von Teilnehmern vorhanden sein muss, damit die Ausgaben gedeckt werden können. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Veranstalter dafür sorgen, dass Publikumsmagnete als Speaker auftreten müssen, damit die Teilnehmer wissen für welche Inhalte sich die Fahrt zu einer Konferenz lohnen könnte. Und genau dort liegt dass Problem, das ein Teil dieser Speaker, an denen man gewisse Erwartungshaltungen hat, auf diversen Konferenzen zu finden sind. Je nach Speaker gibt es dann auch auf jeder Konferenz wirklich ein anderes Thema oder nur abgewandelte Formen von älteren Präsentationen oder aktualisierte Varianten. Das führt dazu, dass ein Teil der Slots durch Personen und Thematisch bereits vorbelegt sind und die Veranstalter nehmen sich selbst die Chance etwas wirklich neues oder Informatives zu vermitteln. Leider siedeln sich die Inhalte dann auch oftmals im Einsteiger Bereich an. Dies ist auch vollkommen gewünscht für z.B. Agenturen, aber ich denke bei zwei oder drei parallel Slots wie sie die meisten Konferenzen anbieten, kann man sehr deutlich drei thematisch rote Fäden ziehen und entsprechen die Erweiterten Vorträge parallel zu den Einsteigervorträgen positionieren.
So hatte zum Beispiel die OMCap 3 Slots für Content Marketing zu unterschiedlichen Zeiten, statt einen Zeitslot nach Erfahrungsebene zu definieren. Genau in dieser Anzahl der Beiträge zu einem Thema in Verbindung mit der Verteilung liegt man nächster Kritikpunkt. Ich könnte die Campixx als negativ Beispiel wegen der 10+ Content Marketing Vorträge nennen, aber da dort die Teilnehmer die Inhalte definieren passt das nicht, darum muss nochmal die OMCap herhalten.
Es gab 3 Slots für Content Marketing, 2 mal das Thema Apps und 5 Beiträge zum Thema Social. Es steht außer Frage, dass z.B. Social eine nicht abstreitbare Funktion im Online Marketing einnimmt und dass das Thema Apps immer größer wird, aber wo waren denn die Inhalte zu Video Marketing? Wo gab es Informationen über Hummingbird, z.b. welche Quellen Google nutzt oder die konkreten Veränderungen in den Serps mit ersten Analysen?
An den Themengebieten kann man erkennen welche Probleme Konferenzen aktuell noch habe. Das Thema Apps kommt 2 Jahre zu spät, Video Marketing findet momentan nur begrenzt Aufmerksamkeit und aktuelle Themen können wegen der festen Planung nicht integriert werden.
Diese beiden Punkte in Kombination sind ein riesiges Problem für Konferenzen und deren Inhalte. Die wenigsten Veranstalter haben den Mut auf Konferenzen neue Themen aufzugreifen. Die Inhalte von Konferenzen basieren meist auf Themen, die zur Zeit der Agendaplanung aktuell waren und niemand traut sich neue Betätigungsfelder in Betracht zu ziehen, die zum Zeitpunkt der Konferenz oder vielleicht erst danach in den Fokus rücken werden. Es ist wie bei einer Keywordrecherche, viele gehen nach Schema F vor und stützen sich auf Keywords die mal funktioniert haben oder in der Vergangenheit ein hohes Suchvolumen hatten. Nur die wenigsten ziehen in Betracht dass sich neue Verbindungen auftun könnten. Denn trotz Google Suggest besagen die offiziellen Seiten noch immer „15% of the searches we see everyday we’ve never seen before.“ ( Google ).

Alternativen zu bisherigen Konferenzen

In diesem Jahr war ich wirklich auf vielen Veranstaltungen, sei es große Events wie die re:publica, die diversen Online Marketing Konferenzen, 50 Leute 100 Steaks, SEOktoberfest BBQ Diner, Barcamps oder Workshops / Seminare bei denen ich als Teilnehmer war oder selbst Inhalte beigetragen habe. Dabei habe ich vermehrt festgestellt, dass es sinnvoll „Kleinstveranstaltungen“ auszurichten, bei denen eine thematische Richtung festgelegt ist. Manche mögen es als „elitäre“ Veranstaltungen wegen dem begrenzten Platzangebot nennen, aber ich denke es bringt die Teilnehmer deutlich weiter voran.
Die großen breiter aufgestellten Konferenzen müssen natürlich weiterhin bestehen bleiben. Sie bieten einen ausgezeichneten Überblick über bestimmte Themen, gerade für Einsteiger die eine erste Orientierung suchen sind diese eine Ideale Anlaufstelle und für erfahrene Teilnehmer ist die Networking Möglichkeit ausgezeichnet. Ich möchte diese nicht missen. Und gerade Events wie die re:publica geben ausreichend neue Akzente um für mehrere Monate mit Arbeit und Ideen versorgt zu sein.

Aus diesem Grund auch nochmal der Tipp an alle: Besucht eine Konferenz nicht wegen der Menschen und Themen die ihr kennt, sondern um neues kennen zu lernen. Leider ist es oft so, dass viele nur Vorträge von Vortragenden besuchen, die sie bereits kennen. Gebt den Neuen oder Unbekannteren eine Chance und ihr werdet viele neue und positive Überraschungen finden.

Fazit

Als erstes möchte ich nochmal betonen dass die OMCap im Gesamtbild einen ausgezeichnete Veranstaltung ist und zu den Pflichveranstaltungen zählt. Dass sie immer als Beispiel herhalten musste ist dem geschuldet, dass sie als letztes stattfand. Ähnlich Beispiele könnte ich auch von jeder anderen Konferenz beschreiben. Der Expert Day im Rahmen des SEO Days, sowie die OMX und die SEOkomm gehen in diesem Jahr auch ein paar andere Wege, ich bin gespannt wie diese Ideeim nächsten Jahr die Konferenzlandschaft prägen und ob sie bestand haben.
Ansonsten muss jeder für sich selbst definieren welche Veranstaltung für ihn wichtig ist und ob man auch mal über den Tellerrand blicken sollte. Ich denke Entwicklung basiert immer auf Impulsen. Woher man diese bekommt muss jeder für sich alleine entscheiden. Ich stelle mir dabei – nach einem Blick auf die Agenda – die Frage, ob man die Impulse durch die Vortragsthemen oder die anwesenden Teilnehmer bekommen kann.
Ich hoffe dass auch ein paar Veranstalter von Konferenzen diese Zeilen lesen, ein wenig Feintuning ansetzen und mutiger werden.

Jens Altmann

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Jens Altmann bloggt auf gefruckelt.de regelmäßig über alle Themen, die ihn interessieren. Neben seiner Tätigkeit als Softwarearchitekt studiert er Wirtschaftsinformatik an der Uni Potsdam.

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Kommentare

3 Kommentare

  1. Markus Oktober 13, 2013

    Guten Morgen Jens,

    ich finde den Artikel super mutig…ich persönlich habe da eine noch extremere Ansicht als Du. Ich habe mir dieses Jahr die SEO Campixx gegeben sowie die M3. Von der SEO Campixx war ich persönlich enorm enttäuscht. Der dahinter stehende „Netzwerkgedanke“ kommt für mich bei solchen Veranstaltungen deutlich zu kurz. In meinen Augen sind 90% der Vorträge absolut überflüssig, da kein anderer Inhalt vermittelt wird wie in bestehenden Blogbeiträgen. Als Beispiel für 2013:

    – Links von Wikipedia
    – Forenlinkaufbau
    – Contentmarketing
    – Panda/Pinguin

    Das konnte man auch zuvor schon in x-tausend deutsch- und englischsprachigen Artikeln lesen. Man hat nichts neues erfahren. Hier sehe ich auch das größte Problem der Konferenzen: Jeder teilt ein bisschen seines KnowHows, aber niemand alles. Wieso fährt man dann auf Konferenzen? Reputation? Erfahrungsaustausch oder auf Grund des Alkohols zum Abend?

    Die Ausrichtung der M3 war komplett anders – das hat mir enorm gut gefallen…

    Auch zum Thema Speaker würde ich mich gern äußern…ich empfinde es da genau so wie Du. Natürlich sind die Veranstalter teilweise dazu gezwungen, bekanntere Speaker einzuladen…ich empfinde „Kollegen“ wie Mediadonis, Karl, Dominik und Jens F. als enorm fähige Leute, die nicht ohne Grund ihr bestehendes Standing haben, aber: Irgendwann ist es einfach nicht mehr spannend…als Beispiel (und das soll jetzt nicht gegen das Thema oder den Vortrag an sich gehen) würde ich gerne den Vortrag von Marcus Tandler auf der SEO Campixx anbringen…Thema war glaube ich: „The 10 best Links we ever built“…klar – für Einsteiger ein interessantes Schmankerl, für aktive SEOs aber absoluter Alltag…

    Naja – ich will auch nicht zu sehr dagegen reden…ich finde Konferenzen wichtig, aber imho sollte der Fokus – wie Du schon sagtest – besser gesetzt werden.

    Was ich noch abschließend zugeben will ist der Punkt der Eintrittspreise…ganz ehrlich…ich empfinde Preise von über 1.000€ einfach als deutlich zu hoch…das kann man einfach nicht rechtfertigen…wie seht ihr das?

  2. Jens Altmann Oktober 13, 2013

    Hallo Markus,

    danke für deinen sehr ausführlichen Kommentar und deine Meinung. Ich sehe den Teil mit lesen und vortragen lassen etwas anders. Wenn ich einen schnellen Überblick über etwas bekommen möchte ist es für effizienter wenn ich in 45 Minuten Grundlagen Input erhalte als wenn ich mich durch Artikel quäle und entscheiden muss wie aktuell diese noch sind oder ob der Schreiber Ahnung von der Materie hat.
    Das Thema Speaker ist eine Gratwanderung und ich denke das Thema „The 10 best Links we ever built“ ist kein gutes Beispiel, zum einen weil es im Rahmen der Campixx stattfand und somit etwas eigene regeln hat, zum Anderen weil die Intension von einem solchen Vortrag nicht das Kopieren der Links ist, sondern die Story dahinter wichtig ist zu verstehen. Wenn ich mir den Vortrag angesehen hätte – wären es für mich sicherlich wichtige Impulse gewesen. Da ich mich für das Thema Linkbuilding jedoch überhaupt nicht interessiere, habe ich es mir auch nicht angehört.

    Un die Eintrittspreise können gerechtfertigt sein, wenn man bedenkt was z.b. Schulungen von Oracle etc kosten, jedoch muss der Input dafür stimmen.

  3. Frank November 30, 2013

    Hallo Jens,

    also ich finde diesen Artikel überhaupt nicht super mutig, wie Marcus schreibt. Auch wenn und da bin ich ziemlich sicher auf jeder Schulung über Dinge gesprochen wird, die einen vielleicht nicht neu sind. Aber es gibt immer etwas zu lernen, wo sich vielleicht dieser berühmte Ah effekt einstellt. Und kommt dieser, ist kein Eintrittspreis zu hoch.

    Gruß Frank

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