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Chaotisch durch Hamburg

Viele werden mit dem Titel „Chaotisch durch Hamburg“ nichts anfangen können, für diese ist dieser Artikel auch nicht gedacht. Viel mehr geht es darum meine Eindrücke von Hamburg zu beschreiben. Das hat natürlich nichts mit Online Marketing zu tun, oder vielleicht doch und gerade deswegen? Lasst euch einfach überraschen und wir werden sehen wo uns dieser Artikel hinführt.

Hamburg

Diesen Artikel schreibe ich einfach ohne einen roten Faden zu haben, denn genau so war mein Aufenthalt in Hamburg geplant – oder eben nicht. Aus diesem Grund kann ich auch noch nicht sagen wo dieser Artikel hinführen wird. Lasst euch überraschen. Eigentlich wollten Soeren und ich in der Kalenderwoche 15 unsere kleine Fahrradtour von Berlin nach Kopenhagen durchführen. Leider mussten wir die Planung der Tour nach hinten verschieben, weil sich Soeren verletzt hat und 600 Kilometer auf dem Fahrrad auch nur bedingt eine Qual darstellen sollen. Die Intension dieser Unternehmung mal wieder abseits von allem beruflichen unseren Köpfen eine Pause zu gönnen und einfach zu entspannen. An dieser Idee wollte ich jedoch festhalten und so nutzt ich die Woche um neue Erfahrungen sammeln. Das begann mit dem Besuch der Droidcon und endete eben mit einer mehr oder weniger geplanten Reise nach Hamburg. Dort wollte ich sowieso schon seit längeren mal wieder hin und nutzte die Gelegenheit.

Das Chaos

Normalerweise plant man seine Aufenthalten in fremden Städten ausführlich, nimmt sich bestimmte Unternehmungen vor und besucht die ganzen Touristenattraktionen. Das wollte ich natürlich auch, aber eher als kontrolliertes Chaos. Donnerstag, der Tag der Anreise, und Freitag Mittag hatte ich jeweils ein Treffen mit Patrick Pehmöller und Hendrik Helwig, sowie Patrick Klingberg geplant, ansonsten galt das Motto kontrolliertes Chaos, oder „sei spontan“. Ich hatte als zu fast keiner Zeit einen definierten Plan wo ich hin wollte und folgte meiner Ingress Karte.

Ingress

Viele werden sich jetzt sicher folgende Frage stellen: INGRESS???
Bei Ingress handelt es sich um eine Argumented Reality Spiel von Google, bei dem man sich zu Beginn des Spiels zwischen den Enlightened und dem Widerstand entscheiden muss. Man erfährt nichts über deren Hintergründe, so dass das Spiel eine ungefähre 50:50 Verteilung bei den Teilnehmern hat. Man kann es wohl am Besten mit Capture the Flag vergleichen. Es gibt Portale, die es zu erobern oder zu schützen gilt. Dabei kann man jedes Portal, egal ob es der gleichen oder gegnerischen Fraktion gehört „hacken“ und bekommt dafür unterschiedliche Gegenstände mit denen man entweder die Portale miteinander Verbinden (linken), gegnerische Portale attackieren oder eigene Portale sichern kann. Darüber hinaus sammelt man unterwegs sogenannte XM mit denen man die Sicherheitsmechanismen der eigenen Portale wieder mit Energie befüllen kann.
Viele werden jetzt denken, dass das totale Zeitverschwendung und sinnlos ist. Denen gebe ich natürlich vollkommen Recht, wenn man nur in eine Richtung denkt. Alle anderen werden bei Argumented Reality und Google sicherlich hellhörig. Genau das wurde ich auch und deswegen interessiert mich das Spiel. Das besondere ich jedoch, dass jeder Mitspieler ein Portal erstellen kann. Dafür muss man sich an einem Punkt befinden und die Koordinate, ein Bild, Namen und Beschreibung des Portals an den Ingress Server übertragen. Diese neuen Portale werden dann einmal die Woche ins System eingespielt. Inwieweit diese vorher geprüft werden kann ich jedoch nicht sagen. Es ist jedoch Fakt, dass diese Portale von den Beta Testern erstellt wurden und oftmals besondere Ort darstellen.

kontrolliertes Chaos

Genau diesen Fakt habe ich für meine Annahme genommen, dass ich mit dem Verwenden des Spiels keinen Plan für meinen Urlaub benötige. Die Hoffnung war, dass ich neue, interessante und sehenswerte Orte, die abseits der üblichen Routen liegen, kennen lerne. Ähnliches kennt man ja bereits vom Geocaching, aber dafür benötigt man wieder einen Plan. Ein weiteres Ziel war es, dass ich fast komplett auf die Bahn verzichte und alle Wege erlaufe. Ähnliches hatte ich ja bereits in München während der Affiliate Tactixx ausprobiert und war von dem Prinzip begeistert.
Im wesentlichen hielt ich mich während meiner 4 Tage in Hamburg in Eimsbüttel, Altona, Neustadt und der Hafencity zwischen Schlump und Alster, sowie Hamburg-Altona und dem Hauptbahnhof auf. Es gab ein paar Ausnahmen, zum Beispiel als ich das Tropen-Aquarium besucht habe. Im Wesentlichen beziehen sich meine Eindrücke jedoch auf das genannte Gebiet.
Am ersten Abend ging es nach ein wenig Business Talk auch direkt auf die Schanze, in die Bar Fisch Wasser Bla a.k.a. GoldFischGlas. Der Abend zeigte mir, dass sich das nächtliche Leben in Hamburg genau in dieser Gegend abspielt und es zeigt auch den ersten Unterschied zu Berlin. Wenn dort eine Bar so voll wäre wie diese würden die Leute einfach in die nächste Szenekneipe gehen. Nichts desto trotz und der Tatsache, dass es mit Donnerstag noch mitten in der Arbeitswoche war ein toller Einstieg. Am Freitag gab es dann das Treffen mit Patrick in der Bullerei. Wir aßen gut und haben uns zu diversen Themen ausgetauscht, aber das soll nicht Inhalt dieses Artikels werden. Nach einen kurzen Abstecher ins Hotel um mein Ingress Handy neuen Strom zu vermitteln, dass ich über einen Gutschein, den ich auf ebay erwarb, gefunden habe, ging es wieder zurück zur Schanze. Dort ging ich dann das erste Mal mit meinem Handy gezielt auf Portaljagd. Ich habe davor zwar schon immer mal die Umgebung gescannt und Gegenstände eingesammelte, hatte bisher aber immer definierte Ziele. Der Weg zur Reeperbahn führte mich vorbei an eine Reihe von Gegenden, die man sonst wohl normalerweise nicht sieht. So wurde ich live Zeuge eines „Bettlerkampfes“ zwischen zwei Personen, die sich scheinbar den besten Standplatz neben einem Discounter stritten. Der eine in Kung Fu Haltung und der andere mit einer Krücke bewaffnet – ein sehr verwirrendes Schauspiel. Dann ging es weiter durch einen kleinen Park vorbei an einer Skaterbahn und einem Kletterwürfel in dem man mir auch direkt etwas verkaufen wollte. Ich vermute die Einheimischen meiden diesen Ort, ich wurde jedoch aufgrund eines Portals dort hingeführt und empfand diesen eigentlich auch als ganz angenehmen. Ich fand es interessant dass ein gesamtes Gebäude in dieser Größe als Kletterwand genutzt werden kann. Auf der Reeperbahn angekommen suchte ich mir ein Restaurant in dem ich ein vernünftiges Abendbrot mit Putenfilet bekomme. Dies war ein sehr kompliziertes Unterfangen, denn außer Fisch wurde maximal noch Rind und Schwein auf der Speisekarte angeboten. In einem Steak und Fischhaus direkt an der Reeperbahn wurde ich dann jedoch fündig. Dabei ist mir auch aufgefallen wieviele Personen auch abseits von der Reeperbahn mit Bier in der Hand oder schon vollkommen betrunken auf dem frühen Nachmittag unterwegs sind. Ich weiß nicht woran es liegt, dass mir das so sehr aufgefallen ist, aber das kenne ich sonst nicht in diesem Ausmaß *kulturschock :-)*. Im Anschluss an das Essen bin ich weiter die Reeperbahn hinunter und sah von einem Gebäude eine Menschenmenge stehen die meine Aufmerksamkeit bekam. Sie standen vor dem Imperial Theater und ich stellte mich einfach mal dazu. Zum Glück bekommt man als Einzelperson auch zu Ausverkauften Veranstaltungen noch immer irgendwie an eine Karte, und so schaute ich mir dort Agatha Christies Mausefalle an. Direkt im Anschluß stattete ich dem Hamburger Dom, der direkt in der Nähe seinen Standort hat, einen Besuch ab. Freitags findet dort immer ein Feuerwerk statt, dass ich mir gemeinsam mit einer Menge anderer Besucher ansah. Unterwegs war mein Weg natürlich immer wieder mit Portalen gepflastert, die es zu attackieren galt. In der Nacht führte mich dann der Weg zurück Richtung Schanze um von dort mein Hotel aufsuchen zu können.
Auf dem Weg zum Hotel – natürlich mit einer 30 Minütigen Fahrtsunterbrechung wegen einer Weichenstörung (ich fühlte mich sofort wie zu Hause) – lernte ich ein junges Paar und einen Urhamburger kennen, der zufällig zwei Attraktionen besitzt, von der einer auf dem Hamburger Dom steht. Er gab ein wenig von seinem Leben als Schausteller zum Besten. Es war ganz interessant diesem zu lauschen und einiges über die Standgebühren etc. zu erfahren.
Der Samstag begann mit einem Besuch im Tropen-Aquarium. Dieser Teil vom Tierpark ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Mit wie viel Liebe dort alles hergerichtet wurde und was man alles entdeckt wenn man nicht nur von Tier zu Tier läuft, sondern bewusst auf die Umwelt achtet. Das ist unglaublich beeindruckend.
Danach ging es direkt zum Stadion vom FC St. Pauli, die zu Hause gegen die Löwen aus München ran dürften. Mich fasziniert jedesmal wie sehr die Fankultur auf einen wirkt. Die Familien, die an einem Samstag um 13 Uhr zum Stadion im Kiez marschieren um ihr Team anzufeuern. Ich folgte der Menge zum Stadion in der Hoffnung, dass ich dort noch irgendwie eine Karte auftreiben kann, was mir zum Glück auch gelangt. Belohnt wurde ich mit einem 3:1 Heimsieg und einer genialen Kulisse.
Im Anschluss ging es für mich wieder quer durch die Stadt bis zu den Landungsbrücken um neue Portale zu finden und Hamburg weiter kennenzulernen. Mein Weg führte mich bis in die Speicherstadt und einiges später, mit einer Rast im Sagres, über St.Pauli und der Schanze wieder ins Hotel.
Dies stellte dann auch das Ende meiner „Tour de Hambourg“. Den restlichen Abend nutze ich um die Erlebnisse zu verarbeiten und einzuordnen, bevor ich mich dann am Sonntag wieder Richtung Berlin begab.

Online Marketing

Und wo ist nun der Teil mit dem Online Marketing in dem Text? Überall! Immerhin hast du den Text bis hier hin gelesen oder den Anfang einfach nur überflogen. Aber warum steckt überall in dem Text Online Marketing? Ganz einfach: Marketing geschieht auf Grundlage von Emotionen. Auch wenn dieser Gesichtspunkt im Online Marketing noch nicht angekommen ist, so gehe doch einfach mal auf die Straße oder falls dir der Weg zu weit ist mach den Fernseher an. Schau dir an, wie dort Marketing betrieben wird, was die Leute antreibt, welche Intension und Ziele sie mit ihren Verhalten verfolgen. Vergleich diese Eindrücke mit deinen Internetprojekten oder deiner Werbung die du darauf einbindest. Dann weißt du ganz genau, ob du zu denen gehörst die es richtig machen, oder denen die ihre Kampagnen überdenken müssen. Wenn du dich jetzt noch fragst was ich meine, dann noch ein letzter Tipp: Schau dir die Werbung auf der Straße an die dich in einer unbekannten Gegend dazu führt ein Lokal auszuwählen oder eine Veranstaltung. Ich ging ins Theater weil dort viele Leute vorstanden. Ich ging zum Hamburger Dom weil es dort ein Feuerwerk gab. Ich besuchte das Millerntor weil mich die Fankultur des Vereins und der Sport fasziniert.
Immer noch nicht? Dann analysiere die Fernsehwerbung: Wird in einer Zalando Werbung ein Produkt explizit hervorgehoben? Wird man bei der Präsentation eines neuen Autos mit Fakten überhäuft? Einfach gesagt: Denkt weiter bei allem was ihr unternehmt und präsentiert!

Abschluss

Normalerweise endet einer meiner Artikel mit einem Fazit, in diesem Fall habe ich es Abschluss genannt. Wieso? Es war ein Experiment. Ich wollte aus meinen Alltag raus um neue Denkmuster zu erkunden, mein Work-Life-Balance weiter zu analysieren und zu überarbeiten. Was aber am wichtigsten ist: meinen Kopf frei bekommen, um voller neuer Ideen, Gedanken und Spaß in den Sommer zu gehen. Um eben noch etwas mehr Freiheit zu erreichen und neue Erkenntnisse zu sammeln wie ich mein Leben und die Arbeit miteinander verbinden kann um jeden Tag aufs Neue zu hundert Prozent motiviert, konzentriert und voller Tatendrang zu sein. Diese Miniauszeit hat genau das Erreicht und mir die Erkenntnis gegeben, dass man eben nicht alles vollständig planen muss. Oft sind es die Umwege, die sonst niemand beschreitet, die die nötige Inspiration bringen und einem zeigen, dass ein strikter Rahmen nur bedingt freie Entfaltung zulässt. Schon Faust stellt fest: „Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ und Goethe schrieb dazu die folgenden Zeilen

Geschrieben steht: „Im Anfang war das Wort!“
[…]
Ich muss es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
[…]
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh’ ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!

oder wie unser Poet sagen würde: nicht labern – machen!
Ich kann jedem empfehlen dies auch auszuprobieren, sich einfach mal einem definierten Chaos auszusetzen und zu schauen wo man am Ende ankommt. Ich bin mir sicher, diese Erfahrung wird jeden bereichern – für mich habe ich beschlossen solche Touren öfter zu machen.

Jens Altmann

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Jens Altmann bloggt auf gefruckelt.de regelmäßig über alle Themen, die ihn interessieren. Neben seiner Tätigkeit als Softwarearchitekt studiert er Wirtschaftsinformatik an der Uni Potsdam.

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